EPR Olkiluoto, Finnland
Am Ende des Jahres 2003 erhielt das französisch deutsche Konsortium aus AREVA (via Framatome ANP) und Siemens AG den weltweit ersten Auftrag zum Bau eines Druckwasserreaktors der dritten Generation vom finnischen Stromversorger TVO (Teollisuuden Voima Oy).
Das Kernkraftwerk soll in Olkiluoto neben zwei bereits bestehenden Kraftwerksblöcken im Jahre 2012 seinen kommerziellen Betrieb aufnehmen. Mit einer Leistung von rund 1600 MW zählt es zu den leistungsfähigsten der Welt. Bei diesem neuen Kraftwerkstyp wird auch der Sicherheitsstandard weiter verbessert.
So sind zum Beispiel wichtige
Außenhüllen so ausgelegt dass sie auch dem Aufprall eines großen Passagierflugzeuges standhalten. Neben zahlreichen Details wie 4 fache Redundanz der Sicherheitssysteme, verbesserte Kühlsysteme und andere technische Details wird selbst dem äußerst unwahrscheinlichen Fall einer Kernschmelze konstruktiv Rechnung getragen und bei einem derartigen Unfall der Austritt von Radioaktivität aus dem Reaktorcontainment verhindert.
Die Firma Babcock Noell in Würzburg wurde mit wichtigen Komponenten für dieses neue Kernkraftwerk vom Typ EPR (Evolutionary Power Reactor) beauftragt.
Der derzeitige Auftragsbestand der Babcock Noell für dieses Kraftwerk umfasst:
- Die Stahlauskleidung (Containment Liner) des Reaktorgebäudes. Diese Auskleidung ist auf der Innenseite der Betonhülle angeordnet und gewährleistet die erforderliche Dichtheit bei allen Betriebszuständen.
- Personenschleusen (Airlocks) für das Reaktorgebäude. Die Schleusen gewährleisten den Zugang zum Reaktorgebäude unter Einhaltung der Dichtheit nach außen.
- Edelstahlauskleidungen (Poolliner) für das Brennelement- und das Reaktorbecken. An die Edelstahlauskleidungen werden hohe Dichtheitsanforderungen über die gesamten Betriebsjahre (Auslegung auf 60 Betriebsjahre) gestellt.
- Bauteile für das Verschlusssystem des Deckels des Reaktordruckbehälters (RPV Closure Head Equipment)
- Komponenten für das Stabilisierungssystem einer hypothetisch angenommenen Kernschmelze (Components of Core Melt Stabilization System)
- verschiedene Engineeringaufträge und Kleinteillieferungen
Die oben genannten Aufträge haben zurzeit ein Volumen von ca. 17 Mio. Euro. Für alle Komponenten bestehen straffe Terminpläne deren Einhaltung zur Gewährleistung des Baufortschritts wichtig ist. Eine weitere Herausforderung ist der finnische Winter, der durch geeignete Maßnahmen im Winterbau zu keiner Unterbrechung der Baumaßnahme führen soll.
Insbesondere hat die 40 jährige Erfahrung der Babcock Noell in der Kerntechnik und das noch vorhandene Know-how dazu beigetragen diesen Erfolg zu erzielen.
Für die Zukunft ist zu erwarten, dass weitere Kraftwerke dieses Typs weltweit gebaut werden. So erwägt zum Beispiel Frankreich, den EPR serienmäßig zur mittel- und langfristigen Erneuerung des bestehenden
Kernkraftwerksparks einzusetzen. Als erstes Projekt soll ein neues Kernkraftwerk durch die EDF in Flamanville in Angriff genommen werden. Die Firmen Babcock Noell und Babcock Borsig Service GmbH bewerben sich bereits für Aufträge. Der Trend weg vom Öl und Vermeidung von CO2 Emissionen ist klar erkennbar und lässt auf einen stetigen Markt im Kernkraftwerksneubau hoffen.


